Licht der Welt und Salz der Erde

Evangelium

Im heutigen Evangelium zeigt Jesus in zwei anschaulichen Bildern, wozu wir da sind: „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“. Das sind wir Christen; wir, die getauft sind und so zu ihm gehören; und zu ihm gehören wollen; ihm nachfolgen wollen auf seinem Weg. Denn Christin/Christ zu sein ist eine Entscheidung. Heute mehr denn je. Die Zeiten sind vorbei, in denen die überwältigende Mehrheit einfach Christen waren, weil es so war; weil die Mehrheitsgesellschaft einer der großen Konfessionen angehörte.

Heute ist es mehr denn je eine bewusste Entscheidung, gerade in einer Stadt wie Berlin. Da zu sagen: ich bin Christ, ich bin katholisch. Einen sozialen Druck, dass man das sein muss, gibt es hier nicht. Eher manchmal das Gegenteil, dass es schon ein bisschen Bekennermut erfordert. Und in dieser Situation hören wir heute, wie Jesus sagt: „Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt.“ Zwei Bilder, die immer wieder verwendet werden, wenn‘s ums Christsein geht. Die aber zuallererst auch ihn selbst beschreiben: Er ist das Salz der Erde; er ist das Licht für diese Welt. Dazu ist er Mensch geworden. Das dürfen wir nicht vergessen. Und wir Christen sind es, wenn wir seinen Weg mitgehen.

Hier geht es gar nicht zuerst um Forderungen, Imperative, also dass Jesus sagen würde: So und so müsstet ihr sein; das und das müsst ihr tun. Diese Worte hier sind Zuspruch, bevor sie Anspruch sind. Sie sind Teil der Bergpredigt. Letzten Sonntag haben wir die Seligpreisungen gehört. Und auch da sagt Jesus nicht, ihr müsst barmherzig sein; ihr müsst friedfertig sein; ihr müsst nach Gerechtigkeit dürsten.

Er sagt: Selig (also glücklich) sind die, die barmherzig sind, die Friedfertigen, die Trauernden, die nach Gerechtigkeit dürsten: Die sind glücklich zu nennen, auch wenn sie in unserer Welt eher für unglücklich (oder auch für ein bisschen einfältig) gehalten werden. Ihr seid selig, wenn ihr mir nachfolgt, wenn ihr das tut, was ich tue, wenn ihr meinen Weg mitgeht.

Denn er beschreibt ja zuallererst sich selbst: er ist der Friedensstifter, der Barmherzige, der Gewaltlose, Machtlose. Und genauso hier: „Ihr seid das Salz der Erde“, nicht: ihr müsst sein; „Ihr seid das Licht der Welt“, nicht: ihr müsst sein, weil er Licht für die Welt und Salz für die Erde ist. Das ist ein Unterscheid.

Als Christen seid ihr es schon. Zuspruch, bevor es Anspruch ist. Ihr, die ihr mir nachfolgt, seid Salz. Ohne euch geht es nicht. Essen ohne Salz ist schal. Ja ohne Salz können wir gar nicht leben. Noch deutlicher beim Vergleich mit dem Licht.

In dieser Welt sind wir Christen ein Licht. Wir sind es, wenn wir uns entscheiden, Christen zu sein; wenn wir seinen Weg mitgehen wollen. Wir sind es schon. Das nicht zu vergessen, dazu ruft er heute auf. Jede und jeder Einzelne ist ein Licht, bringt Licht in diese Welt als Getaufte.  Denn auf allen ruht sein Geist. Alle haben Anteil an diesem Geist; nicht allein die Geweihten und auch nicht allein die Sündlosen. Alle sind ein Licht in dieser Welt und Salz für diese Erde, als Christen – also als diejenigen, die seinen Weg mitgehen wollen. Das ist sein Zuspruch, seine Zusage. Aber daraus erwächst dann natürlich auch ein Anspruch. Nämlich auch seinem Weg zu folgen; sein Evangelium zu leben. Und wenn es nur ein klitzekleines Stück ist, so wie Frère Roger aus Taizé immer sagte: „Lebe das, was Du vom Evangelium verstanden hast, und sei es noch so wenig, aber lebe es“ (vgl. https://www.katholisches.koeln/seelsorge-und-gute-dienste/engagement/)

Jesus sagt uns hier etwas, was nicht selbstverständlich ist. Etwas, das uns Christen im Kern angeht. Was wir uns immer wieder bewusst machen müssen: Nicht eine neue Moral, eine besondere Ethik oder Ideologie, die wir vertreten sollen. Darum geht es ihm nicht primär.

Moralisch sein, ein anständiges Leben führen, das können alle Menschen. Wie das geht, zeigt heute die erste Lesung: „Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft“ (Jes 58,7).

Dazu muss man nicht Christ sein. Und wir Christen sollten uns hüten zu denken, wir seien die moralisch besseren. Es gibt unzählige gute Menschen auf der Welt, die noch nie etwas von Jesus und seiner Botschaft gehört haben, die Tag für Tag ein gutes, anständiges Leben führen. Und es gibt unzählige Christen, die behaupten Jesus zu folgen, und alles andere als moralisch gut sind. Natürlich!

Jesus sagt uns hier nicht zuerst, wie wir sein sollen, sondern wer wir sind – als Christen: Ein Licht, das die Welt nicht aus sich selbst hat, sondern allein durch ihn. Ein Leben, das die Welt nicht aus sich selbst hat, sondern allein durch ihn. Er selbst ist dieses Licht, das in die Welt gekommen ist, um alle Menschen zur erleuchten, sprich: zu einem Leben in Hoffnung und Würde zu führen. Er selbst ist Weg, Wahrheit und Leben, eben das Salz der Erde. Und wir sind es, insofern wir Christen sind, also seinen Weg mitgehen, eben auch. Und dass das dann natürlich auch unser Handeln bestimmen soll (die „guten Taten“, von denen das Evangelium hier spricht), das versteht sich eigentlich von selbst. Auch wenn es so oft nicht der Fall ist.

Er zeigt uns, was wirklich Gerechtigkeit, Güte und Barmherzigkeit bedeutet, seine Barmherzigkeit, seine Güte, seine Gerechtigkeit. Eben genau das, was er in der Bergpredigt sagt.

Was wir Christen der Welt anzubieten haben, ist sein Licht, sein Salz, seine Wahrheit, was wirklich Hoffnung heißt, was wirklich Gerechtigkeit heißt, was wirklich Barmherzigkeit heißt. Dass es eben nicht umsonst ist, zu hoffen, zu lieben, barmherzig zu sein. Dass unser Leben einen letzten Sinn hat, dass die Sehnsucht nach Liebe, nach Güte nicht umsonst ist, mehr als es in dieser Welt vorstellbar ist.

(Predigt in der Wort-Gottes-Feier zum 5. Sonntag im Jahreskreis, 7.2.2026, in St. Hildegard, Berlin-Frohnau)

Bild: privat

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