Diakonisch leben

Evangelium

Ostern geht weiter. Nun sind wir schon kurz vor dem dritten Ostersonntag, und immer wieder hören wir im Evangelium von den Begegnungen mit Jesus.

Nach der Auferstehung breitete sich die junge Kirche aus. Petrus und die anderen Jünger bekannten „freimütig“ ihren Glauben an den, der das Leben bringt. Und so wurde die Zahl der jungen Christen immer mehr; nicht mehr nur Juden, die sich bekehrten, sondern auch die griechisch Sprechenden, die den Glauben annahmen, wurden immer mehr.

Davon hören wir heute in der Lesung aus der Apostelgeschichte. Und deshalb beauftragen die Apostel sieben Männer, sich um diejenigen zu kümmern, die in den Gemeinden zu kurz kommen.

Es geht um Gerechtigkeit, um Aufmerksamkeit, um die Frage: Wer wird wahrgenommen – und wer nicht? Es geht um den Dienst der Sorge und der konkreten Nächstenliebe.

Das ist der Ursprung des Diakonats. Diese sieben (Stephanus und die anderen, die hier genannt werden), das sind – gewissermaßen – die ersten Diakone; berufen, die Apostel im Dienst zu entlasten und gerade für die da zu sein, die in Not sind, die Armen, die Hungernden, die Ausgeschlossenen.

Und ihnen zu sagen: Christus vergisst euch nicht. Die Kirche vergisst euch nicht. Kommt mit an den Tisch des Herrn! Und wenn ihr selbst nicht kommt, vertrete ich euch am Tisch des Herrn. In meinem Herzen seid ihr dabei.

Das heißt ganz konkret: hinschauen, wo Not ist. Hinhören, wo Menschen keine Stimme haben. Und handeln – nicht nur verwaltungsmäßig, technisch, organisatorisch, aus Pflichtgefühl allein, sondern aus dem Geist Christi.

Denn der erste Diakon ist Jesus selbst. Er ist zum „Diener aller geworden“, der „nicht gekommen [ist], um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (vgl. Mt 20,28; Mk 10,45).

Der Diakon ist kein „Ober-Oberministrant“, auch wenn es manchmal so aussieht, damit díe Messe noch etwas feierlicher wird. Er repräsentiert vielmehr all diejenigen, zu denen der Herr auch gekommen ist und die sonst leicht übersehen werden. Er ist die Brücke zwischen Altar und Alltag.

Dazu haben die Apostel diese sieben Männer ausgewählt – aber die Verantwortung für die Liebe in der Gemeinde – die bleibt bei allen.

Kirche kann nur lebendig sein, wenn alle bereit sind, diakonisch zu leben und zu handeln. Nur eine dienende Kirche dient zu etwas. Papst Franziskus hat es einmal so ausgedrückt: Es geht darum, ob Du bereit bist hinauszugehen und die schmutzige Hand zu halten und jemandem in die Augen zu schauen und zu denken: Für Dich ist Jesus da.

Deshalb ist heute die wichtigste Frage für uns – und ich finde als Kirche wie als Gesellschaft: Wen übersehe ich manchmal? Wo bin ich eingeladen, genauer hinzuschauen? Wo kann ich zeigen (und zwar nicht mit großen Reden, sondern durch einfaches Tun zeigen): Für Dich ist Jesus ist da. Der Herr lädt auch Dich ein; und zwar genauso, wie Du bist. Nicht, wie Du sein solltest. Denn er ist da. Hier und jetzt. So wie heute im Evangelium.

Bei der bedrohlichen Bootsfahrt der Jünger übers Meer steht hier ja – im Gegensatz zu den anderen Evangelisten – weniger an der Angst der Jünger im Mittelpunkt, sondern im Mittelpunkt steht die Person Jesu. In dieser bedrohlichen Szene – in der Nacht, im Sturm, sagt Jesus: „Ja, ich bin es“. So wie Gott sich dem Mose offenbart hat: „Ich bin der Ich-bin-da‚“ (Ex 3,14).

In Jesus zeigt sich der schützende, helfende, barmherzige Gott, der immer da ist, wenn wir uns – mitten in der Nacht unseres Lebens, inmitten von Angst und Bedrohung – verlassen fühlen. „Ich bin da“ – für Dich, ich will die Beziehung zu Dir, ich bin das Du für Dich. „Fürchtet euch nicht!“

Wir sind nicht allein unterwegs. Christus ist da – auch im Gegenwind, auch in der Dunkelheit. Und vielleicht gilt das für uns alle: Nicht wir tragen die Kirche. Nicht wir „lösen“ die Not der Welt. Aber wir dürfen Werkzeuge sein – und Christus selbst kommt uns entgegen.

Am Ende der ersten Lesung hören wir: „Das Wort Gottes breitete sich aus.“ Warum? Weil Glaube und tätige Liebe zusammengefunden haben – und untrennbar sind.

Das ist auch der Weg der Kirche heute. Der Weg, zu dem wir alle gerufen sind – jeder und jede auf seine Weise.

Bitten wir den auferstandenen Herrn, dass er uns allen ein waches Herz schenkt, damit wir die Menschen am Rand nicht übersehen, und dass wir – in unserem je eigenen Dienst – Zeugen seiner Liebe werden. Damit Ostern auch für uns weitergeht: der Weg zum Leben.

(Predigt in der Hl. Messe zum Samstag der 2. Osterwoche, 18.4.2026, im Schönstatt-Zentrum Berlin)

Bild: privat

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