Was brauchen wir zum Leben?

Evangelium

Was brauchen wir zum Leben? Etwas zu essen und zu trinken, ein Dach über dem Kopf, Kleidung, die uns wärmt. Manche glauben sogar, dass sie ein schickes Auto zum Leben brauchen und viel Geld auf dem Konto, dass der Sinn des Lebens im Haben besteht.

Jedes Jahr in der Fastenzeit können wieder lernen, dass es frei macht, wenn wir aufs Haben verzichten können, wenn wir spüren, was wir alles nicht brauchen.

Die Frau aus Samarien, zu der Jesus hier am Jakobsbrunnen spricht, stelle ich mir als so jemand vor: die verzichten gelernt hat. Im Evangelium lesen wir, dass sie um 12 Uhr mittags, also in der größten Hitze, zum Brunnen geht, um Wasser zu holen. Üblicherweise tat man das am frühen Morgen oder abends. Sie tut es vielleicht, weil sie da allein ist, weil sie nicht darauf aus ist, jemanden zu treffen. Sie hatte fünf Männer und mit dem aktuellen ist sie nicht verheiratet, lesen wir. Nicht gerade das, was einer Frau in der damaligen Gesellschaft zu Respekt und Sicherheit gereichte.

Und nun spricht dieser Fremde sie an. Ein Jude, wo sie doch weiß, dass die Juden einen großen Bogen um jemand wie sie (als Samaritanerin) machen. Und er bittet sie um Wasser. Als sie sich wundert, dass der orthodoxe Jude sie überhaupt anspricht, sagt der auch noch: Wenn Du nur wüsstest, „worin die Gabe Gottes besteht“ und wer er selbst ist, dann hätte sie ihn um Wasser gebeten, und er hättet ihr „lebendiges Wasser“ gegeben. Aber die Frau missversteht ihn. Sie nimmt wörtlich, was er sagt, und versteht unter „lebendigem Wasser“ einfach fließendes Wasser aus der Erde unten im Brunnen. Deshalb ihre Frage nach dem Schöpfgefäß.

In mehreren Stellen im Evangelium sind es gerade die Missverständnisse, die Jesus Gelegenheit geben zu zeigen, worum es ihm wirklich geht, und dass das wörtlich nehmen eben gerade nicht das ist, was zu Jesu Botschaft führt.

Er spricht von dem, was das Leben ausmacht, was wir wirklich zum Leben brauchen, neben dem rein materiellen. Deshalb hier auch wieder im griechischen Original das Wort „Zoe“ für Leben und nicht „Bios“. Nicht das biologische Wasser meint Jesus; davon wird man immer wieder durstig. Er schenkt „Wasser“, das ewig den Lebensdurst stillt.

Der Hl. Augustinus sagt in seinen ‚Bekenntnissen‘ so schön: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir“ (Conf. I,1). Genau darum geht es. Gott schenkt uns ein Leben, das nicht durstig zurücklässt, nicht unruhig und suchend. Und genau das bietet Jesus dieser Frau an und auch uns. Und da ist es dann auch nicht entscheidend, in welcher Weise wir Gott korrekt „anbeten“, ob in Jerusalem oder auf dem Berg Garizim oder wo auch immer.

Entscheidend ist, was die Frau sagt: „Ich weiß, dass der Messias, der Christus, kommt“, und dass er uns Gott genauso zeigt, wie er ist. Und dass Jesus genau darauf antwortet: „Ich bin es, der mit dir spricht.“ Die namenlose Frau spürt, der hier ist der Retter der Welt; nicht nur ein Prophet, wie sie zu Beginn glaubte, nicht nur einer, der quasi „hellsehen“ kann und um ihre Lebensgeschichte weiß. Nein, „er ist wirklich der Retter der Welt.“ Und dass das nicht nur eine theoretische, theologische Aussage bleibt, die schön und intellektuell klingt, sondern wirklich Einfluss auf ihr konkretes Leben hat und auch auf unseres, dass wir dadurch Hoffnung haben, wie es in der 2. Lesung heute heißt, Hoffnung, die trägt. Dass er uns also zum Wasser des Lebens wird. „Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet“, kann man da nur sagen.

Papst Leo XVI. hat letzte Woche dazu eingeladen, in dieser Fastenzeit das Hören in den Mittelpunkt zu stellen. Anderen zuhören und versuchen zu spüren, dass Gott uns durch jede und jeden, die uns begegnen, etwas sagen will. Auch hier in diesem Evagelium gehts ums Hören. Das Erste, was über Jesus hier gesagt wird: Er spricht sie an, und die Samaritanerin hört ihn. Sie missversteht ihn zwar zunächst, aber nur vom Hören kommt letztlich die Erkenntnis, die Einsicht, und auch der Glaube an ihn. Nur dadurch, dass wir zuhören.

Der Glaube kommt vom Hören“ heißt es im Römerbrief (10,17). Nur deshalb sprechen wir vom „Wort Gottes“, das Jesus für uns ist. Nur deshalb hören wir auf die Stimme des Herrn; nur deshalb spricht der HERR zu Mose, wie in der 1. Lesung: Damit wir ihn hören können und erkennen, wer er wirklich ist, und so das erhalten, was wir wirklich zu einem gelingenden, glücklichen, guten Leben brauchen.

(Predigt in der Wort-Gottes-Feier zum 3. Fastensonntag im Lesejahr A, 7.3.2026, in St. Hildegard, Berlin-Frohnau.)

Bild: Angelika Kaufmann, Christus und die Samariterin am Brunnen, Neue Pinakothek, München, gemeinfrei nach: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Angelika_Kauffmann_-_Christus_und_die_Samariterin_am_Brunnen_-1796.jpeg

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