Du bist mein geliebtes Kind

Evangelium

Feiert ihr euren Tauftag? Diese Frage hat Papst Franziskus immer wieder gestellt. Aber warum sollten wir unseren Tauftag feiern? Warum sollte es wichtig sein, getauft zu sein? Die Mehrheit heute wird wahrscheinlich antworten: Es kann vielleicht nichts schaden; aber ist es entscheidend? Ein guter Mensch sein, das sollte jeder. Aber was ist das Besondere, getauft zu sein? Wenn wir heute Jesu Taufe im Jordan feiern, dann können wir uns diese Frage selbst stellen.

Jesus kommt aus Galiläa zu Johannes an den Jordan, um sich unter die Vielen zu stellen, die sich taufen lassen. Auf den Einwand des Täufers antwortet er, dass so „alle Gerechtigkeit erfüllt werden kann“ (Mt 3,15). Das erste Wort, das Jesus hier im Evangelium spricht, hat Signalcharakter: „Alle Gerechtigkeit erfüllen“ heißt: den Willen Gottes ohne Abstriche verwirklichen. Jesus fordert Johannes auf, sich mit ihm ganz unter den Willen Gottes zu stellen. Nicht was er selbst für angemessener, besser, richtiger hält. Johannes will es richtig machen.

Jesus aber zeigt, was das Richtige ist. Das, was Johannes tun soll und was wir tun sollen. Deshalb ist Jesu Verhalten hier bei der Taufe im Jordan durch Johannes von so grundlegender Bedeutung: Er zeigt uns hier schon, was sein Auftrag, sein Evangelium ist: Eben das Richtige, um das es geht. Johannes predigte die Taufe als Umkehr von unseren Sünden, als Reinigung von all dem, was uns belastet. Jesus müsste sich sicher nicht unter die endlose Reihe der Sünder stellen, wie wir. Aber er tut es. Weil er uns damit zeigt: Er ist wahrer Mensch und die Taufe der Umkehr ist für uns Menschen heilsam. Und genau so verstehen wir ja auch heute die Taufe, nicht allein als Aufnahme in die Gemeinschaft, der Beginn einer Mitgliedschaft.

Getauft zu werden heißt: Mit Jesus in dieses Wasser (das ja immer beides ist: Zeichen des Lebens und Zeichen des Todes), mit Jesus in dieses Wasser unterzutauchen (denn unser Leben wird untergehen). Aber mit ihm auch wieder aufzutauchen, gereinigt, gerettet, das meint: erlöst, befreit aus der Macht der Angst, der Macht des Todes, und mit der Zusage Gottes: Du bist mein geliebtes Kind. Zu wissen: ich bin geliebt – vor jeder Leitung und trotz aller Schuld, die ich auch nach der Taufe immer wieder haben werde. Und diese Liebe anderen weiterzugeben, wie es in der 2. Lesung hieß, nichts anders ist sein Gebot: Geliebt lieben! Ich bin geliebt. Das zu wissen; darauf zu vertrauen, darauf mein Leben zu bauen, ist nicht trivial. Aber genau das ist das, was uns die Taufe bringt: Diese Zusage Gottes. Die Taufe ist kein magischer Zauber, wo der Priester oder der Diakon durch seine Worte irgendeinen Schutzzauber über das Kind ausspricht.

Unser Glaube sagt uns: Die Taufe ist ein Sakrament. Das erste in unserem Leben als Christen. Ein Sakrament ist ein Zeichen. Ein Zeichen der Nähe Gottes; ein äußeres Zeichen (heute: das Übergießen mit Wasser) für das Handeln Gottes in uns.  Gott handelt. Nicht allein der Geistliche! Der ist nur Instrument, das äußere Zeichen zu vollziehen. Gott handelt in uns, wenn wir getauft werden, so glauben wir. Denn Gott ist es, der befreit, der rettet, der erlöst durch Jesus Christus. Wir sind geliebte Kinder Gottes und Gott will, dass wir diese Liebe spüren, unser ganzes Leben lang.

Und jetzt wird’s schwierig. Wie viele Menschen fühlen sich im Lauf ihres Lebens ungeliebt. Gerade wenn sie älter werden. Wie oft erlebe ich gerade im Seniorenheim: wo Menschen belastet sind von dem Gefühl, versagt zu haben; schuld zu sein, und sich eben gerade nicht geliebt fühlen. Aber genau so junge Menschen, gerade junge Menschen, die vielleicht an der Oberfläche in einer schicken Welt leben; aber im Innern mit tiefen Selbstzweifeln belastet sind, und sich ungeliebt fühlen. Nichts wert; überflüssig; namenlos.

Gott sagt uns in Jesu Taufe im Jordan: Du bist mein geliebtes Kind. Dein Name ist mir bekannt. Für mich ist Dein Leben ist wertvoll, egal wie es verläuft. Und die Kirche hat im Grunde nur den einen Auftrag: Uns dies immer wieder zuzusagen: Dass ich bei Gott alle Schuld, alles Versagen, alle Angst um mich selbst loswerden kann.

Deshalb sollten wir unseren Tauftag feiern! Weil er uns daran erinnert: Auch für mich, selbst für mich in all meinen Abgründen, meiner Überheblichkeit, meinem Egoismus gibt es Hoffnung. Denn zu uns allen sagt Gott in der Taufe: Es ist gut, dass es Dich, genau Dich, gibt. Wir sind Gottes geliebte Kinder.

(Predigt in der Wort-Gottes-Feier am Fest der Taufe des Herrn, 10.1.2026, in St. Hildegard, Berlin-Frohnau)

Bild: Taufe Christi von Verocchio, um 1475, vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Taufe_Christi_(Verrocchio)

Foto: gemeinfrei gem. wiki-commons

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