„Wir haben seinen Stern aufgehen sehen …“

Evangelium

Erstens waren es keine drei, zweitens keine Könige und heiliggesprochen wurden sie auch nicht. So hart es klingt: Von den „Heiligen Drei Königen“ ist hier im Evangelium nicht die Rede. Und doch feiern wir sie an diesem Tag, ganz besonders in Köln, wo ihre Gebeine in einen ungeheuer wertvollen Schrein als Reliquien verehrt werden und wo diese Sitte, heute Dreikönig zu feiern, auch herkommt.

Caspar, Melchior und Balthasar tauchen erstmals im Mittelalter als Drei Könige auf, besonders als Friedrich Barbarossa dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel eben diese Gebeine geschenkt hat und sich Köln zum florierenden Wallfahrtsort für die drei entwickelte; und als man anfing, eine neue Kathedrale zu bauen, den Kölner Dom, der dann erst 632 Jahre später fertiggestellt wurde. Und seit den 60ern ziehen wir mit den Sternsingern durch die Straßen und sammeln Spenden, in diesem Jahr für Bangladesch.

Was wir aber am 6. Januar feiern, sind nicht die Heiligen Drei Könige, sondern dass Gott sich uns Menschen in Jesus Christus offenbart hat, dass er erschienen ist in unserem Fleisch, dass seine Zuwendung ganz wörtlich Hand und Fuß hat.

Wir in der westlichen (lateinischen) Kirche feiern das schon am Weihnachtstag. Aber in den östlichen (griechischen) Kirchen wird dieses Offenbarwerden Gottes, die Erscheinung Gottes in den drei Personen, im heutigen Fest gefeiert, in der Orthodoxie das eigentliche Weihnachtsfest. Gleichzeitig wird es als Taufe des Herrn gefeiert, denn in der Taufe werden diese drei göttlichen Personen erfahrbar: Der Sohn in Jesus; der Vater in der Stimme, die sagt, du bist mein geliebter Sohn; der Geist, der auf den Sohn herabkommt. Deshalb nennt man in der Orthodoxie das heutige Fest auch: Erscheinung Gottes, Theo-phanie.

Im Evangelium heute haben wir von den Magoi, Magiern, Sterndeutern, Gelehrten gehört, die sich vom Stern leiten lassen. Und im Gegensatz zu den Schriftgelehrten Jerusalems, die glauben bereits alles zu wissen und es in ihren Büchern ganz genau festgeschrieben zu haben, sind die fremden Magier auf der Suche. Die Tradition des Volksglaubens sieht in ihnen Repräsentanten der damals bekannten Erdteile, deshalb drei: Europa, Asien, Afrika, aber das Matthäus-Evangelium sieht in ihnen einfach Fremde; Vertreter einer heidnischen Kultur; aus dem heutige Iran.

Ich finde, sie sind eigentlich ziemlich modern; denn sie wissen nicht, was sie suchen. Sie folgen einer Ahnung, dass sie das Kind, von dem manche Juden glauben, es sei der Messias, auch finden werden.

Sie sind genau das, warum es im Jubiläumsjahr 2025 ging: Pilger der Hoffnung. Sie haben eine Hoffnung, ein Ziel und sie setzen sich in Bewegung. Das Hochfest Erscheinung des Herrn ist ein überhaupt Fest der Bewegung. Niemand bleibt stehen. Da ist der Stern, der zieht. Da sind die Weisen, die aufbrechen. Da ist das Licht, das hinausstrahlt über die Grenzen Israels hinaus in die ganze Welt. „Steh auf, werde licht!“ Die erste Lesung aus dem Buch Jesaja beginnt mit diesem Ruf: „Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir“ (Jes 60,1).

Diese Worte richten sich an ein Volk, das müde und verängstigt ist: Jerusalem liegt in Trümmern, die große Zukunft scheint fern. Und genau hinein in diese Situation sagt Gott nicht: Bleibt sitzen und wartet, sondern: Steht auf! Lass dich vom Licht berühren.

Wie schön wäre es, wenn wir heute uns gerade in diesen Worten wiederfinden. Wir leben in wirren Zeiten: Schlechtes wird für gut ausgegeben; Lüge für Wahrheit; Fake ist in Mode; Unsicherheiten, Polarisierungen, Sorgen vor der Zukunft. Werte gelten nicht mehr. Das Heilige Jahr hat uns zugerufen – wie Jesaja – zu: Steh auf! Nicht aus eigener Kraft, sondern weil Gott selbst Licht schenkt. Weil Gott dir eine Hoffnung geschenkt hat in diesem Kind. Hoffnung ist nicht Optimismus. Hoffnung ist Vertrauen darauf, dass Gott handelt – auch dann, wenn wir es noch nicht sehen.

Die Weisen sind suchende Menschen – wie wir. Genau das ist der erste Schritt jedes Pilgers: sich ansprechen lassen. Hoffnung beginnt dort, wo wir nicht sagen: Das ist halt so, sondern wo wir fragen: Was will Gott mir zeigen? Wohin führt er mich?

Die Weisen machen sich auf den Weg. Sie wissen nicht alles. Sie kennen das Ziel nicht genau. Aber sie gehen los. Hoffnung heißt nicht, den ganzen Weg zu kennen, sondern den nächsten Schritt zu wagen. Der Weg der Weisen ist kein gerader Weg. Sie kommen nach Jerusalem, zum Palast des Herodes. Logisch – dort vermutet man einen neugeborenen König. Aber dort ist kein Licht, sondern Angst. Herodes fürchtet um seine Macht. Die Schriftgelehrten wissen zwar, wo der Messias geboren werden soll – in Betlehem, aber sie selbst gehen keinen Schritt dorthin. Das ist eine ernste Frage auch an uns: Wissen wir nur Bescheid – oder machen wir uns auf den Weg?

Pilger der Hoffnung erleben auch Umwege, Enttäuschungen, falsche Erwartungen. Aber Gott lässt die Suchenden nicht allein. Der Stern erscheint neu. Er führt weiter. Das Ziel der Pilger überrascht: „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter.“ (Mt 2,11) Kein Palast. Keine Macht. Kein Glanz – und doch fallen sie nieder. Sie erkennen: Hier ist Gott. Hoffnung hat ein Gesicht. Hoffnung ist kein Konzept, sondern eine Person.

In der zweiten Lesung aus dem Epheserbrief wird deutlich, was Epiphanie letztlich bedeutet: „Dass die Heiden Miterben sind, zugehörig zum selben Leib und Mitteilhaber der Verheißung“ (Eph 3,6). Gott gehört nicht einer kleinen Gruppe oder nur einem Volk. Sein Licht ist für alle. Hoffnung will geteilt werden. Die Kirche ist keine geschlossene Gemeinschaft, sondern eine pilgernde, offene Kirche.

Pilger der Hoffnung zu sein heißt, den Blick zu weiten, niemanden auszuschließen, das Licht weiterzugeben – besonders an die, die am Rand stehen.

Da zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land“ (Mt 2,12). Wer Christus begegnet, bleibt nicht derselbe. Hoffnung verändert Wege. Vielleicht nicht spektakulär, aber spürbar. Ein anderer Umgang miteinander. Mehr Geduld. Mehr Vertrauen. Mehr Mut.

Das Hochfest Erscheinung des Herrn sendet uns aus. Nicht mit fertigen Antworten, sondern mit einem Licht im Herzen. Als Pilger der Hoffnung gehen wir weiter – durch unseren Alltag, durch unsere Welt, auch nach diesem Jubiläumsjahr bleiben wir Pilger der Hoffnung. Denn „das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14) – und es will auch heute unter uns wohnen.

 

(Predigt in der Wort-Gottes-Feier zum Hochfest der Erscheinung des Herr, 6.1.2026, in St. Hildegard, Berlin-Frohnau)

Foto: privat

 

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