
Wir haben den Advent begonnen und viele mögen es gerade jetzt kuschelig und angenehm – in dieser dunklen Zeit, ein bisschen Licht und Wärme, wo man sich wohlfühlen kann.
Und dann dieses Evangelium heute! Keine Wohlfühlatmosphäre, die hier beschrieben wird. Alles kling schroff und brutal.
Das Evangelium heute vermittelt keine angenehme Stimmung. Zunächst einmal: es spielt der Wüste, eine lebensfeindliche Umgebung. Johannes tritt auf; hält Bußpredigten. Die Menschen sollen umkehren! Diejenigen, die keine Früchte bringen in ihrem Leben, wird das ewige Feuer verbrennen; Wer sich einbildet, dem Zorngericht zu entkommen, hat sich geirrt. Das ist alles andere als angenehm.
Aber wenn wir das heute hören, dürfen wir nicht vergessen, dass wir hier eine Bildsprache hören, eine antike, orientalische Bildsprache. Bibeltexte sind Bildtexte. Bilder, die heute ganz anders verstanden – und zum Teil gar nicht mehr verstanden werden. Wir werden auch hier (wie so oft) der Bibel ungerecht, wenn wir diese Worte einfach wörtlich nehmen; eins zu eins; als ob es sich hier um einen genauen historischen Bericht handelt.
Alle diese Bilder haben nur ein Ziel: Deutlich zu machen, dass es ernst ist. Dass es um etwas geht! Und das ist eben nicht nur, dass es nett und behaglich ist. Johannes ist nicht nett, weil es um mehr geht als ums nett sein. Es geht um unsere Existenz; wie wir leben wollen; was uns wichtig ist im Leben. Johannes meint es ernst. Und das unterstreicht er eben mit diesen plastischen Bildern vom Feuer; vom Weizen und der Spreu; von dem frucht-losen Bäumen, die umgehauen werden.
Er ruft: „Kehrt um!“ Viele Übersetzungen, vor allem die, die auf Martin Luther zurückgehen, formulieren hier: „Tut Buße!“ „Bereut!“ Aber wie schon öfter betont, das Wort „metanoete“, das im Griechischen hier steht, meint viel mehr. Es heißt wörtlich: Denkt um! Denkt weiter! Ändert Euer Denken! Denkt größer! Nicht nur an das, was euch direkt vor der Nase liegt.
Und vor allem: Du musst Dein Leben ändern! Und warum? Auch das sagt Johannes sehr deutlich: Weil das Himmelreich nahe ist. Weil einer kommt, der größer ist als alle anderen, der mit Feuer und Heiligem Geist tauft; der alles auf den Kopf stellt. Der den endgültigen Aufbruch aus der Gefangenschaft der Sünde bringt; die Befreiung aus der Macht der Angst; die Befreiung aus der Macht der Angst um uns selbst bringt. Eben derjenige, dem Johannes vorangeht und den er ankündigt: Jesus, der Herr! Nicht irgendein weiterer Prophet; nicht nur einer, der uns sagt, wie wir anständig leben sollen, sondern der allein mit Heiligem Geist tauft: Der Messias! Derjenige, der das Leben schlechthin bringt; die Fülle des Lebens. Die Rettung und Befreiung!
Und wie Bilder der Hoffnung und des Lebens in Fülle aussehen können, das zeigt uns die heutige erste Lesung aus dem Jesaja-Buch.
„Aus dem toten Baumstumpf wächst ein Zweig“, „Der Wolf findet Schutz beim Lamm“, „Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen“. „Seine Ruhe (also der Friede, den uns der Messias bringt) wird herrlich sein.“ Und Johannes ist eben derjenige, die ihm vorangeht, auf ihn verweist, der Rufer in der Wüste.
Das Bild der Wüste kann auch heute – in unserem Advent – ganz gut passen. Denn wie viele Wüstenzeiten gibt es auch bei uns? Zeiten der Einsamkeit; Zeiten des Streits und des Kampfes – mit uns selbst und mit anderen; Zeiten der Angst. Wie viele haben das Gefühl, dass ihr Leben nichts wert ist; „keine Frucht bringt?“ Und andererseits: Wie viele schauen überheblich auf andere herab und denken, also ICH muss ja nicht umkehren; mein Leben läuft absolut richtig; wenn nur alle so wären wie ich! So wie im Bild die Pharisäer und Sadduzäer hier. Aber allen gilt der Zuruf des Johannes: Denkt um! Denkt größer! Denkt so, wie dieser Jesus es euch zeigt! —
Und was lehrt uns dieser Jesus?
Dass es Hoffnung gibt; dass Leben (Fülle des Lebens) möglich ist („Gott kann aus den Steinen dem Abraham Kinder werden lassen“; wieder so ein Bild für die Hoffnung). Auch wenn die Welt noch so steinern erscheint; Gleichgültigkeit und Hass sich auszubreiten scheinen.
„Die Mächtigen sich zusammentun – manche mit der Bibel in der Hand: doch nicht zum Wohl der Welt! Dealmaking ihr Credo ist; die Welt ihr Supermarkt. … „Gott kennen, heißt wissen, was zu tun ist“, hat der jüdische Philosoph Emmanuel Levinas einmal gesagt. Wer Gottes Hoffnung trägt, geht den anderen Weg, „richtet nicht nach dem Augenschein und nicht nur nach dem Hörensagen …, sondern richtet die Armen in Gerechtigkeit und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist.“, wie es eben bei Jes. hieß. Gott kennen, (Jesus folgen), heißt wissen, was zu tun ist.“ (vgl. Dorothee Sandherr-Kemp, in: Magnifikat, Das Stundenbuch, 12/2025, S. )
Denn in ihm ist das Reich Gottes schon da; seine Güte und Liebe gehen mit uns mit. Und wenn wir unser Leben ändern sollen, dann doch nur, damit wir diese Liebe und Güte auch in unserem Leben spüren können. Damit wir die Hoffnung weitertragen. Größer denken!
(Predigt zum 2. Adventssonntag, 7.12.2025, in Maria Gnaden, Berlin-Hermsdorf, und St. Nikolaus, Berlin-Wittenau).
Bild: Leonardo da Vinci: Johannes der Täufer (ca. 1513-1516, Paris, Louvre, Foto: Public Domain: vgl. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b8/Leonardo_da_Vinci_-_Saint_John_the_Baptist_C2RMF_retouched.jpg/500px-Leonardo_da_Vinci_-_Saint_John_the_Baptist_C2RMF_retouched.jpg)